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Ich musste fuer mein Teilstipendium einen Zwischenbericht an meine Organisation schicken, und den koennt ihr euch hier durchlesen:

Zwischenbericht meines Austauschjahres

Es ist schon erstaunlich mit zu erleben, wie schnell die Zeit vergehen kann. Fuer mich ist es so, als ob es gestern waere, als ich am Tag meiner Abreise aufwachte, mit einem dicken Knoten im Gehirn, der sich immer nur noch weiter verdichtete, bei dem Versuch, sich auch nur annaehernd vorzustellen, was da in den naechsten Stunden, Tagen und schliesslich Monaten auf mich zukommen werde. Dazu muss man sagen, dass fuer mich sich dieses Vorhaben ganz besonders schwierig gestaltete, da ich bis zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Gastfamilie, und so auch noch gar keinen Zielort hatte.....

Das erste, was ich von meinem grossen Abenteuer erschnupperte, war ein einziges, grosses Durcheinander... Ich hatte mich schon seelisch, aber auch mit der Auswahl meines Reisegepaeckes, darauf eingerichtet, die ersten Wochen in einem Uebergangs- Sprachcamp in Buenos Aires zu verbringen, als ich schliesslich doch den Anruf erhielt; Man haette meine Gastfamilie gefunden! Ein wenig enttaescht, dass es jetzt wohl doch kein Sprachcamp geben werde, aber doch erleichtert habe ich dann voller Spannung und mit einem noch groesseren Knoten im Hirn meine zukuenftige Adresse in google Earth eingegenben. Diesen grossen Knoten habe ich es wohl auch zu verdanken, dass mich der Teil, in der Adresse, der hiess; *Ushuaia, Tierra del Fuego* nicht schon vorher stutzig gemacht hat. So aber konnte ich seelenruhig beobachten, wie sich die Webkamera immer weiter auf den Sueden zubewegte und sich meine Verwirrung steigerte und steigerte. Schliesslich blieb die Kamera dort stehen, wo es nicht mehr weiter ging, in Ushuaia, der suedlichsten Stadt der Welt, oder auch das *Tor zur Antarktis*.

***Schock***

Dass ich euch diese Geschichte erzaehle, haengt damit zusammen, dass ich euch zeigen will, was meine ersten Eindruecke von meinem neuen Gastland waren; Vollkommene Verwirrung , ein dickes Fragezeichen und die wildesten Spekulationen. Ich muss zugeben, ich war nicht gerade ein Musterknabe was meine Geologischen Kenntnisse Argentiniens betraf, wesshalb ich noch nie auch nur im entferntesten von Ushuaia gehoert hatte, auch wenn es eines der beliebtesten Touristenziele Argentiniens ist. Im folgenden, viel zu lang andauernden Flug und schliesslich doch sehr schoenen, im allgemeinen Hirnnebel allerdings ziemlich unter gehenden, Willkommenscamp, hatte ich sehr viel Zeit, mir mein eigenes Ushuaia zu erspinnen.

Im Nachhinein ist es eigentlich ein grosses Glueck, dass ich ohne Vorwissen nach Ushuaia kam. Ich wusste nichts ueber meine Stadt, hatte keine Fotos und auch sonst keine Informationen ueber meine zukuenftige Gastfamilie. Schliesslich hatte ich die Moeglichkeit, mir mein ganz eigenes Ushuaia zu bilden, ganz ohne Hilfe von irgendwelchen Touristenfuehrern, die dabei ja sowieso nicht sehr hilfreich sind.... Dass erste was Kelci (der anderen Austauschschuelerin hatte es eben so hart erwischt, wie mich) und ich taten, als wir am Flughafen ankamen ( Von einem Willkommensgrueppchen war weit und breit nichts zu sehen, was auch fuer die naechsten Stunden so blieb), war der absolute Haertetest der Temeraturen in der *fast-schon-Atarktis*.

Wir kamen zu dem Entschluss; *Alles nur halb so wild ;-)*

Eine Einsicht, die fuer mich in meinem Austauschjahr zur grossen Lebensweissheit wurde. Fast ausschliesslich alle meine Erfahrungen gruendeten in der Erkenntis, das doch bei allen Unterschieden am Ende die gleichen Menschen vor einen stehen, wie man sie aus Deutschland kennt. Die Sprache ist eine andere, doch schliesslich bleibt die Bedeutung des Wortes *Familie* und *Freundschaft* diesselbe. Man begruesst und verabschiedet sich mit anderen Gesten und Worten, doch das Gefuehl des Verlustes, wenn die Wege sich trennen, bleibt erhalten. Ich durfte erleben, das es ganz egal ist, ob ein Volk als *offenherzig* oder *verschlossen* gilt, man fuehlt und denkt doch schliesslich das gleiche, auch wenn man es auf unterschiedliche Weise ausdrueckt. Meine Erlebnisse in der Fremde haben mich gelehrt, dass es nur darauf ankommt diese Sprache ( Und dabei mein ich nicht nur das Spanische ) zu entziffern, um sich selbst darin wieder zu finden.

Dann faengt man natuerlich auch wohl oder uebel an, sich selbst diese Sprache anzueignen. Dabei verhaelt es sich wie bei kleinen Kindern: Man beobachtet, wiederholt und schliesslich hat man vergessen, dass man sich nicht schon immer so verhalten hat. Ich habe das Kuesschengeben und so manche Geste uebernommen, als ob es meine eigene waere. Ich habe das Essen (was mir allerdings nie schwer fiel), auch wenn es mir einige Magenprobleme breitete, lieben gelernt. Ich habe schon ganz vergessen, dass es mir, als ich hier ankam (so verrueckt das auch klingen mag) noch zu *ungesund* vorkam.... Wenn ich es nicht in meinem Tagebuch notiert haette, haette ich auch schon ganz vergessen, wie verrueckt es mir vorkam, dass in meiner Klasse waehrend des Unterrichtes geredet, gegessen, aufgestanden und ab und zu mal der Lehrer umarmt und geknuddelt wird ;-)....

Ansonsten koennte ich tausend kleine Dinge aufzaehlen, die sich an meinem Verhalten inzwischen geaendert haben, wenn da nicht der kleine Haken waere, dass ich sie als *Verhaltensannormalitaet* gar nicht mehr erkenne....
Aber ueber so etwas denkt man, wenn man nicht gerade einen Aufsatz fuer AFS schreiben muss ;-), gar nicht erst nach. Es faellt nicht schwer, sich umzustellen, und es verlangt auch keiner von einen. Es beschleicht einen eher, ohne dass man es merkt...

Genauso beschleicht einen das Gefuehl von Heimat. Man fuehlt sich nicht mehr in einem Austauschjahr, man fuehlt sich daheim, ein Gefuehl was uns wohl beim Abschiednehmen teuer zu stehen kommen wird.

Es ist die Gemuedlichkeit Argentiniens, die mir wohl am meisten fehlen wird. Man sitzt gemeinsam am Feuer und wartet ueber Stunden, dass das Lamm, was man darueber braet, perfekt gegart ist. Um Fleisch zu grillen, nimmt man sich immer Zeit. Man hat die Musikanlage draussen aufgebaut, und im Hintergrund laesst man Kumbia laufen. Eine Musikrichtung, typisch fuer Argentinien. Lebensfroh, eine Mischung aus Reggae und Hiphop, zum einfach nur hoeren recht langeweilig, aber perfakt zum Tanzen und Stimmung machen. Dann, das darf natuerlich nicht fehlen, wird der Matetee rum gereicht. Man faengt schon an, mit Leuten zu disskutieren, die man gerade erst vor ein paar Minuten kennen gelernt hat. Aussenstehende wuerden nicht merken, dass es sich um *Fremde* handelt. Man findet immer ein Thema zum disskutieren, und wenn man keines findet, disskutiert man ueber *la boca* und *el river*, die zwei Fussballclubs, unter denen sich Argentinien spaltet. Dieser ewige Wettbewerb wird unter allen Argentiniern freudig gehegt und geflegt, schon allein aus dem Grund, weil man so gerne disskutiert..... Und natuerlich eruebrigt sich immer ein freier Platz neben der Feuerstelle, auf dem die Jungs Fussball spielen koennen. Ist das Lamm erst einmal fertig, machen sich alle mit blossen Haenden auf dem Steintisch darueber her, ohne sich gross Gedanken ueber Reinlichkeit und Schicklichkeit zu machen. Wenn Argentinier zusammen sitzen sind alle gleich; Die Alten, die Kinder, der Chef und seine Angestellten, der Lehrer und seine Schueler. Wenn sich zwei Boca Fans treffen, haelt man zusammen gegen den naechstbesten River Fan. Warum sollte man auch nicht? Immerhin hat man einen gemeinsamen Gegner!

Genauso gut, wie die Argentinier relaxen koennen, koennen sie auch feiern, ein Thema, was vorallem die Jugend rund um die Uhr beschaeftigt. In jedem noch so kleinen Ort gibt es wenigstens eine *Boliche* (Disco) in der man sich ab ca ein Uhr morgens trifft, und die man dann meist so gegen sechs Uhr wieder verlaesst ( schlafen kann man ja tagsueber :D)...

Der Argentinier generell ist nicht dafuer gemacht, alleine in seinem Zimmer zu hocken. Weil ich auf eine Kunstschule gehe und vormittags, wenn ich nicht so schon zum Unterricht muss, meine Spaezialitaet habe , bin ich den ganzen Tag ausser Haus. Aber selbst wenn ich nach meinem 10 Stunden Tag endlich fertig bin mit der Schule, treffe ich mich immernoch *auf eine Milch* ( oder eben *auf einen Mate*) im Haus von Freunden. Oder wir gehen ins Stadtzentrum, um dort zusammen, bei der Freundin untergehagt, spazieren zu gehen. Unter der Woche verbringt man den Abend meist im Kreis der Familie. Man isst zusammen ( meist erst sehr spaet), surft im Internet und sieht vorallem viel fern. All das spielt sich im Wohnzimmer ab. Ich weiss nicht, warum, aber hier hatte ich noch nie das Beduerfnis alleine in meinem Zimmer zu hocken, obwohl ich das in Deutschland oft getahn habe. Was sollte ich da dann auch treiben? Im grossen und ganzen ist mein Tageablauf nicht im Geringsten, wie der in Deutschland, aber ich koennte nicht sagen, dass mir da etwas gefehlt hat, genauso wenig, dass mir hier etwas fehlt. Man hat einfach andere Beduerfnisse.

Jetzt bin ich schon fast fuenf Monate in Ushuaia. Ich habe die kurzen, ebenso die langen Tage erlebt. Jetzt ist Weihnachten, die Dunkelheit besucht uns immer nur fuer ein paar Stunden, und selbst am Ende der Welt erleben wir die warmen Sommertage, die aber in minutenschnelle in Regenverhangene Nachmittage umschwingen koennen, und man sich desswegen eigentlich nie richtig anziehen kann. Ich habe sehr viel schoenes Erlebt, und kann durchaus behaupten, dass wenigstens die erste Haelfte meines Austauschjahres ein voller Erfolg war. Ich habe viele suesse Erinnerungen gesammelt, dabei kann ich eigentlich nicht sagen, welche die schoenste ist. Aber im grossen und ganzen kann ich sagen, dass ich die neusten Abenteuer immer mehr geniessen kann, weil ich sie jetzt mit meiner Familie und meinen Freunden erlebe, und nicht mit Unbekannten. Letzte Woche war ich mit AFS eines der groessten Naturwunder Argentiniens besuchen ( ein riesiger Gletscher der in einen See abbricht) und wir haben sogar eine Wanderung ueber das Eis gewagt. Aber mindestens genauso schoen war das Lagerfeuer, das wir in der Nacht zuvor gemacht haben ( man erinnere sich an die oben beschriebene Situation) und die vorher gegangene Wanderung (Wobei sich der Weg als ein riesen Sumpf entpuppte, was sich dann wiederrum als ein riesen Spass entpuppte ;-)). Genauso sehr geniesse ich jetzt allerdings wieder die Tage zu Hause. Gestern zum Beispiel habe ich den verruecktesten Heilig Abend meines Lebens erlebt, der verblueffende Aehnlichkeit mit Silvester hatte und darin kroente, dass ich alle 24 Geschenke meines Advendskalenders auspacken durfte ( Das Paeckchen von zu Hause kam schliesslich mit ein wenig Verspaetung =) doch noch an) und dabei all das entdeckte, was mir einen Tag zuvor beim Plaetzchen backen gefehlt hatte.

Das nennt man wohl Unglueck im Glueck, oder so aehnlich? ****

Jedenfalls Habe ich in diesem halben Jahr schon genug unvergessliche Erinnerungen fuer ein ganzes Leben gesammelt, und ich freu mich schon darauf, sie zu Hause bei einer Tasse Kaffee ein ums andere mal zu erlaeutern, bis sie sich zu fantastischen Geschichten entwickeln, die es Wert sein werden, dass ich sie meinen Enkelkindern erzaehlen kann xD.....



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